Vasektomie – Die sicherste Verhütungsmethode

Neben dem Kondom ist eine Sterilisation (Vasektomie) die einzig zuverlässige Methode der Empfängnisverhütung für den Mann. Besonders in den USA erfreut sie sich großer Beliebtheit, aber auch hierzulande entscheiden sich Männer, die keinen Kinderwunsch (mehr) haben, immer häufiger für diese Möglichkeit. Der Grund dafür ist einerseits, selbst die Verantwortung für die Verhütung zu übernehmen und dadurch eine ungewollte Vaterschaft zu verhindern, andererseits die Partnerin, die oft schon jahrelang für die Verhütung gesorgt hatte, zu entlasten.

Auch die Entwicklung der so oft erwähnten „Pille für den Mann“, die die Samenproduktion verhindern soll, ist noch nicht abgeschlossen. Aufgrund der bisher beobachteten Nebenwirkungen und der derzeit noch geringen Sicherheit braucht es dafür bestimmt noch einige Jahre an Forschung und Entwicklung. Die Vasektomie (richtiger wäre der Begriff Vasoresektion) ist die sicherste Verhütungsmethode für den Mann. Da es dadurch zu keiner hormonellen Veränderung kommt, werden weder Potenz noch Lustempfinden oder Orgasmus beeinträchtigt. Es wird nur die Beimengung von Samenzellen zum Ejakulat verhindert. Die Samenflüssigkeit besteht zu ca. 95% aus Sekreten der Prostata (Vorsteherdrüse) und Samenblasen, sodaß auch der Samenerguß nach der Vasektomie gleich bleibt. Weder im sexuellen Erleben des Mannes noch für die Partnerin ist später ein Unterschiedspürbar. Viele Männer berichten vielmehr, dass sie ihre Sexualität nach einer Vasektomie, ohne die Sorge einer ungewollten Vaterschaft, wesentlich freier und somit auch lustvoller erleben können.

Bei der Vasektomie werden beide Samenleiter durchtrennt. Die Samenleiter bilden die Verbindung zwischen den Hoden (sie bilden Samenzellen) und der Vorsteher-drüse und Harnröhre, durch die die Samen-zellen beim Orgasmus herausgeleitet werden. Nach einer Vasektomie werden die weiterhin im Hoden produzierten Samenzellen vom Körper resorbiert. Grundsätzlich ist die Vasektomie eine einfache und auch kostengünstige Methode zur dauerhaften Empfängnisverhütung. Bereits nach relativer kurzer Zeit ist die Vasektomie „günstiger” als die laufende Verordnung der Pille oder anderer Verhütungsmittel für die Frau. Gegenüber der Tubenligatur (Sterilisation der Frau) ist die Vasektomie ebenfalls günstiger. Außerdem ist die Tubenligatur ein „Baucheingriff“ und damit risikoreicher als die „subkutan“ (direkt unter der Haut) durchgeführte Vasektomie.

Den Entschluß zur dauerhaften Sterilisation sollten jedoch nur jene Männer/Paare fassen, deren Familienplanung bereits abgeschlossen ist. Außerdem besteht in Österreich eine gesetzliche Altersgrenze von mindestens 25 Jahren. Rein technisch wird bei der Vasektomie in lokaler Betäubung der Samenleiter am Ansatz des Hodensackes knapp neben der Peniswurzel unter der Haut getastet, die Haut über dem Samenleiter geöffnet und dieser dann durchtrennt. Die Öffnung der Haut kann mit einem Skalpell oder mit einer scharfen Klemme (non scalpel Vasectomie) erfolgen. Die non scalpel Vasectomie wurden in den 70er Jahren in China entwickelt und gilt heute als die modernste Art der Vasektomie. Da sie aber von den Operateuren eine solide Ausbildung und viel Training erfordert, wird sie nicht überall durchgeführt.
Für den Patienten liegt der grundlegende Unterschied der Non Scalpel Vasectomie im Hautschnitt. Ohne Messer kommt es zu einem geringeren Blutungsrisiko. Dadurch kann meist auch auf eine Naht verzichtet werden. Rein medizinisch ist dies jedoch kaum anders, im Falle einer Naht werden dünne, selbst auflösende Nähte verwendet. Der Patient merkt den Unterschied zwischen Naht und keine Naht praktisch nicht.

Eine Vasektomie wird üblicherweise ambulant und in lokaler Betäubung durchgeführt. Auf Wunsch ist auch in manchen Instituten eine Vollnarkose möglich. Vor der Operation kann bei Bedarf ein Beruhigungsmittel verabreicht werden. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten. In Rückenlage wird der Genitalbereich zuerst steril gereinigt, dann steril abgedeckt. Nach dem Tasten der Samenleiter wird mit einer sehr dünnen Nadel das lokale Betäubungsmittel unter die Haut des Hodensackes gespritzt. Die Einstiche sind kaum spürbar. Sobald die örtliche Betäubung ihre volle Wirkung entfaltet hat, erfolgen zwei kleine Hautschnitte am Hodensack rechts und links, nahe der Peniswurzel. Dort wird jeweils ein Stück Samenleiter herausgeschnitten, die Enden werden zur Sicherheit der „Unterbindung“ vernäht. Schon am nächsten Tag kann wieder geduscht werden und auch die meisten Berufe können am Tag nach der Vasektomie wieder ausgeübt werden.

Nach der Vasektomie sind noch bis zu drei Monate lang Samenzellen in der Samenflüssigkeit (Ejakulat). Diese stammen aus Resten in Samenblasen und Prostata. Zur Kontrolle müssen Spermiogramme (mikroskopische Untersuchung des Samenergusses) zwölf und sechzehn Wochen nach der Vasektomie erstellt werden. Die Probenabgabe ist einfach. Erst wenn dabei keine Samenzellen im Ejakulat gefunden werden, kann Geschlechtsverkehr ohne weitere Em-pfängnisverhütung erfolgen. Derartige Samenproben müssen danach auch jährlich erfolgen, um eine sogenannte „späte Rekanalisation“ zu erkennen.

Die Vasektomie ist ein komplikationsarmer Eingriff. Dennoch können wie bei jeder Operation Probleme auftreten. Die wichtigsten kurzfristigen Komplikationen oder Nebenwirkungen sind: Bluterguß, Schwellung und Infektion. Langfristig kann im Operationsbereich überschüssiges Narbengewebe oder ein Granulom, das ist eine entzündungsbedingte knotenartige Gewebeneubildung, entstehen. In sehr seltenen Fällen können dadurch chronische Schmerzen auftreten.

Obwohl einige Anbieter die Vasektomie auch wegen der Möglichkeit der Rückoperation bewerben, sollte der Entschluss zur Vasektomie so sicher sein, dass eine Rückoperation nicht in Frage kommt. Dennoch ist das medizinische Wissen und Können soweit fortgeschritten, dass es durchaus möglich ist den Eingriff rück-gängig zu machen. Dies erfordert jedoch einen komplizierten mikrochirurgischen Eingriff (Vasvasostomie) und ist einerseits mit Kosten (ca. 2.500 Euro) und einem Operationsrisiko verbunden. Außerdem ist die Rückoperation nicht immer erfolgreich (Erfolgsrate ca. 60-80%). Gegebenenfalls sollte eine Rückoperation innerhalb der ersten drei bis vier Jahre nach der Vasektomie durchgeführt werden.